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Buchtipp

Die Kunst des stilvollen Verarmens

Wie man ohne Geld reich wird

von Alexander von Schönburg


Wer auf dem Buchmarkt einen Bestseller herausbringen will und nicht das Zeug für hohe Literatur hat, der schreibt am besten ein unterhaltsames Sachbuch, in dem eine möglichst radikale, originelle, auf jeden Fall aber provokante These vertreten wird. Alexander Graf von Schönburg vertritt eine solche These: Der Niedergang unserer Wirtschaft lässt sich nicht aufhalten, sagt er, die nächste Weltwirtschaftskrise werde die von 1929 wie einen Kindergeburtstag aussehen lassen, schon jetzt sei die Stabilität unserer Wirtschaft eigentlich nur mit den Ehen von Joschka Fischer zu vergleichen. Wir werden alle ärmer, sagt er - doch die wahre Kunst sei es, stilvoll zu verarmen.

Alexander von Schönburg weiß, wovon er spricht - seine Familie hat rund 500 Jahre Erfahrung in sozialen Abstieg. Er selbst muss seinen Lebensunterhalt durch schnöde Arbeit verdienen, früher als Journalist bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, jetzt als freier Buchautor. Trotzdem lebt er im Luxus, sagt er, denn der wahre Luxus sei eben nicht, Dinge zu haben, sondern auf sie verzichten zu können.

Verarmen mit Stil und Grandezza, verzichten um besser genießen zu können - zur ideologischen Untermauerung dieser These bemüht er das Wabi-Ideal der Samurai, die Schönheit des Weglassens, oder allerlei Philosophen, von Epikur bis Wittgenstein - man muss ja nicht gerade so weit gehen wie Diogenes in der Tonne. Historische Vorbilder für den stilvollen Abstieg kennt er auch: Den Schauspieler Helmut Berger etwa, oder die Stadt Pisa, die im achten Jahrhundert die Bildungshauptstadt der damals bekannten Welt war, oder die Engländer oder die Ungarn, die immer verloren haben, das aber mit Stil und Humor.

Sein Buch versteht er als praktischen Ratgeber, wie man ohne Geld reich wird - reich in einem immateriellen Sinn, in dem man lernt, mit wenig auszukommen, das wenige aber zu genießen. Wir lernen kapitelweise, warum eine Zwei-Zimmer-Bude schöner als das schönste Schloss sein kann, warum es sich lohnt, weniger zu arbeiten, warum häufige Restaurantbesuche und Ferienreisen dumm machen, warum alte Klamotten chic sind, wie man sich von medialer Verstopfung befreit, und warum es sich lohnt, kein Auto zu fahren.

Man muss dieses Buch von Alexander von Schönburg nicht wirklich ernst nehmen. Er prahlt zuweilen damit, wie viele schöne, reiche und berühmte Leute er kennt - nicht jeder wird vom Sultan von Brunei zur Hochzeit eingeladen. So kommt man schnell dahinter, dass der Mann mit Netz und doppeltem Boden arbeitet, mit einem Netz, das viele wirklich arme Menschen eben nicht haben. Aber sein Spott über die Zwänge der Konsumgüterindustrie ist dennoch köstlich zu lesen. Schon allein deshalb ist das Buch empfehlenswert.

Rohwolt Verlag, Berlin 240 Seiten, 17,90 Euro

Rolf Wenkel

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