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Buchtipp
Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft
Neue Konzepte für das 21. Jahrhundert
von Jeremy Rifkin
Jeremy Rifkin hat sein Buch "Das Ende der Arbeit und ihre Zukunft" schon 1995 veröffentlicht. Der Gründer der Foundation of Economic Trends in Washington D.C. hat die zweite Auflage lediglich mit einer neuen, rund 40 Seiten starken Einleitung versehen. Sie versucht, neuere Entwicklungen zu berücksichtigen und mehr dem Untertitel des Buches gerecht zu werden, der da lautet: Neue Konzepte für das 21. Jahrhundert.
Rifkins These von 1995 ist nicht neu. Er sagt, der Menschheit geht die Arbeit aus. Die alte Logik, dass technologischer Fortschritt und Produktivitätszuwachs zwar alte Jobs vernichten, aber auch genauso viele neue schaffen, gelte nicht mehr. Innerhalb von sieben Jahren seien in den 20 größten Volkswirtschaften der Welt 16 Prozent der Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe vernichtet worden, während gleichzeitig die Industrieproduktion um 30 Prozent zugenommen habe. Er könne sich sogar vorstellen, dass im Jahr 2050 nur noch fünf Prozent der erwachsenen Bevölkerung nötig seien, um die traditionellen Industrien zu managen und am Laufen zu halten.
Wenn sich aber immer mehr Lohnabhängige ins Heer der Arbeitslosen einreihen - wo soll dann die Konsumnachfrage herkommen, lautet Rifkins Frage, die gerade in Deutschland aktueller ist denn je. Schade nur, dass Rifkin mit dem Untertitel des Buches - Neue Konzepte für das 21. Jahrhundert - mehr verspricht, als er halten kann. Er beschäftigt sich zum Beispiel mit der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Die höheren Kosten, die den Unternehmen entstehen, solle der Staat durch eine Senkung der Unternehmenssteuern ausgleichen. Die Steuermindereinnahmen bekäme er durch Mehreinnahmen bei der Lohnsteuer und durch die Entlastung der Sozialsysteme wieder herein. Apropos Lohnsteuer: Sein zweites Rezept lautet fiskalische Entlastung des Faktors Arbeit und Belastung von umweltfressendem Ressourcenverbrauch, was man in Deutschland Ökosteuer nennt. Seltsam nur, dass gerade in Deutschland zur Zeit diese beiden Rezepte unter heftigem Beschuss stehen.
Sein dritter Vorschlag befasst sich mit dem "dritten Sektor", ein Begriff, den man in Deutschland wohl mit Gemeinwirtschaft, sozialer und kultureller, nicht am Gewinn orientierter Arbeit übersetzen würde. Er zeigt, dass diese Sozialwirtschaft parallel zur Marktwirtschaft wächst, und er gründet eine Menge Hoffnungen darauf, obwohl er anerkennt, dass diese Form der Arbeit bislang einen Nachteil hat - man kann sich keine Ansprüche auf Gegenleistung in Form von Geld erwerben, es fehlt bislang eine Sozialwährung. Er beschreibt zwar Versuche, mit so genannten Zeit-Dollars eine solche Währung zu schaffen, doch dabei bleibt er ziemlich kurz und oberflächlich.
Rifkins Buch ist eine treffende Diagnose, die ahnen lässt, dass der Begriff Arbeit in Zukunft einen massiven Bedeutungswandel erfahren wird. Doch wer von ihm neue Konzepte zur Zukunft der Arbeit erwartet, der wird enttäuscht werden - sie kommen bei Rifkin ziemlich kurz. Trotzdem ein lesenswertes Buch.
Rolf Wenkel
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