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Shanghai - eines der beliebtesten
Ziele der deutschen Wirtschaft







Das Märchen vom Exodus


Nach wie vor hält sich in Deutschland das hartnäckige Vorurteil, die deutsche Wirtschaft befände sich in einer Art Massenexodus, die gesamte Produktion werde ins Ausland, in Billiglohnländer verlagert, bis hierzulande nur noch Fritten- und Dönerbuden übrig bleiben. Natürlich ist das ein Vorurteil.

Der deutsche Maschinenbau zum Beispiel wird in den nächsten drei Jahren seine Präsenz im Ausland weiter vergrößern. Aber dabei geht es vor allem um Vertrieb, Absatz und Produktion, während Forschung und Entwicklung am Standort Deutschland bleiben werden. So lautet das Ergebnis einer Umfrage des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Danach ist der angebliche Exodus von Arbeitsplätzen ein reines Märchen. Denn erstens geht nicht jeder mit seiner Produktion ins Ausland, und zweitens sichert die Präsenz im Ausland auch hierzulande Arbeitsplätze.

Der deutsche Maschinen- und Anlagenbau wollte es für seine Branche ganz genau wissen und hat deshalb das Institut der deutschen Wirtschaft mit der Befragung von über 1.200 repräsentativ ausgesuchten Unternehmen beauftragt. Das Ergebnis ist beruhigend: Von Massenexodus kann keine Rede sein. Michael Hüther, Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft:

"Drei Viertel der befragten Unternehmen exportieren, die Hälfte ist mit eigenen Vertriebs- und Absatzfirmen im Ausland tätig, und knapp die Hälfte kauft weltweit ein. Dem gegenübergestellt produziert nur ein Fünftel im Ausland, also ein deutlich geringerer Anteil, und Forschung und Entwicklung - ein Thema, das wir ja mit Blick auf die Nachhaltigkeit der wirtschaftlichen Entwicklung hierzulande zu Recht diskutieren - Forschung und Entwicklung findet nur mit sechs Prozent der Aktivitäten im Ausland statt."

Auch Michael Hüther nennt diesen Befund beruhigend. Denn solange die Forschung und Entwicklung, sozusagen der Kopf der Wertschöpfungskette, in Deutschland bleibe, solange müsse man sich um den Standort Deutschland keine Sorgen machen. Gleichwohl plant ein Fünftel der befragten Maschinenbauunternehmen einen Neuaufbau oder den Ausbau von Produktion im Ausland. Als Hauptmotiv wird freilich genannt, dass man im Ausland mit mehr Dynamik und höheren Umsatzzuwächsen rechnet als im weitgehend gesättigten Inlandsmarkt.

Für die Beschäftigung hierzulande hat eine Produktionsverlagerung nicht unbedingt negative Folgen - im Gegenteil. Nur knapp ein Drittel hat die Produktionsverlagerung ins Ausland mit einem Personalabbau daheim verbunden, bei 40 Prozent der Unternehmen hat der Aufbau ausländischer Produktionsstätten keine Auswirkungen auf die heimischen Arbeitsplätze gehabt, und 28 Prozent der Unternehmen haben nicht nur im Ausland, sondern auch in Deutschland neue Arbeitsplätze geschaffen. Für Michael Hüther ist der deutsche Maschinenbau international sehr gut aufgestellt:

"Die Branche ist globalisiert auf der Absatz- und Beschaffungsseite, sie nutzt die Dynamik der Weltmärkte im Vergleich zum nationalen Markt. Dagegen fällt ab, ganz eindeutig, die Verlagerung von Produktionseinheiten, d. h. die Nutzung ausländischer Standorte als Produktionsstandorte oder als Standorte für Forschung und Entwicklung, das ist nach wie vor ein Thema, das am deutschen Standort durchaus Bedeutung hat und hier verankert ist."

Wer mit seiner Produktion in Deutschland bleibt, hat gute Gründe. 40 Prozent der Daheimgebliebenen geben an, sie könnten nur in Deutschland die erforderliche Qualität sicherstellen - die Qualifikation der Mitarbeiter spreche nach wie vor für den Standort Deutschland. Doch auch wer ins Ausland geht, hat gute Gründe. Und die nennt Dieter Brucklacher, der Präsident des deutschen Maschinenbau-Verbandes: "Die Kunden brauchen das vor Ort, die gehen hin und bauen sich Wettbewerber auf. Also kann ich nur meine Firma und unsere Arbeitsplätze in Deutschland sichern, wenn ich in diese Märkte gehe und die Positionen besetze."

In den wenigsten Fällen sei die Entscheidung, ins Ausland zu gehen, eine freiwillige, sagt Brucklacher. Vielmehr seien die Unternehmer ständig vom Markt getrieben. So sei das auch mit seiner Entscheidung gewesen, nach China zu gehen: "Wenn ich nicht da bin und die nicht innerhalb von acht Tagen bedienen kann mit Sonderlösungen, entsteht ein chinesischer Wettbewerber, der mich nachher hier im Markt angreift."

Auslandspräsenz zur Sicherung der Arbeitsplätze daheim - so kann man das Leitmotiv des deutschen Maschinenbaus beschreiben. Daheim - das sind gegenwärtig rund 860.000 Arbeitsplätze, während im Ausland rund 260.000 Menschen für den deutschen Maschinenbau arbeiten.

Rolf Wenkel


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