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 Afrika - der verloren geglaubte Kontinent mausert sich
DB Research: Afrika kommt
Gewöhnlich macht er nur negative Schlagzeilen, der afrikanische
Kontinent: Bürgerkriege, Hungersnöte und Naturkatastrophen bestimmen das Bild,
das in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird. Tatsache ist aber auch, dass in
vielen afrikanischen Staaten die Wirtschaft kräftig wächst – und so zunehmend
das Interesse ausländischer Investoren und Kapitalanleger weckt. Zu diesem
Ergebnis kommt eine neue Studie der Deutsche Bank Research.
Es gibt sie natürlich immer noch, Länder wie
Simbabwe, die in Chaos und Hyperinflation zu versinken drohen, und
autokratische Machthaber, die ihr Land systematisch ausplündern. Aber auch in
Afrika gibt es eine Reihe von aufstrebenden Nationen. Marion Mühlberger aus der
Forschungsabteilung der Deutschen Bank: „Das ist vor allem auf den derzeitigen
Rohstoffboom zurückzuführen, der jetzt schon fünf Jahre anhält. Und weil Afrika
sehr reich an natürlichen Ressourcen ist, profitieren diese Länder ungemein von
diesem internationalen Rohstoffboom. Und das spiegelt sich auch an den
afrikanischen Börsen wider, die haben tolle Wachstumsraten - und auch ein
tolles Wirtschafswachstum.“
Etwa zehn Prozent der weltweiten Öl- und acht
Prozent der Gasreserven schlummern unter der afrikanischen Erde, der Kontinent
deckt 40 Prozent des Weltbedarfs an Phosphat und 30 Prozent des Kobalt-Bedarfs,
nicht zu vergessen die Vorkommen an Gold, Platin und Diamanten. Doch an den Rohstoffen
allein liegt es nicht, dass Investoren immer häufiger nach Afrika blicken, sagt
Marion Mühlberger von der Deutschen Bank Research: „Viele afrikanische
Regierungen haben auch Reformen eingeleitet, die jetzt Früchte tragen. Zum
Beispiel Ghana oder auch Nigeria, die ihren Bankensektor richtig umgekrempelt
haben in den letzten Jahren, wodurch auch diese Sektoren für Investoren
interessanter werden - und eben auch gute Profite abwerfen.“
So gehört der Finanzmarkt in Nigeria mit einem Plus
von 33 Prozent zu den zehn Börsen, die im vergangenen Jahr weltweit am besten
gelaufen sind. Botswana hat 20 Prozent zugelegt, Agyptens Börsenindex hat sich
in fünf Jahren versiebenfacht, und Nigerias Börsenindices sind im gleichen
Zeitraum um 230 Prozent gestiegen. Dass immer mehr Investoren den Afrikanischen
Kontinent entdecken, lässt sich auch an den ausländischen Direktinvestitionen
ablesen, sagt Mühlberger: „Von 2002 bis 2006 haben sich die ausländischen
Direktinvestitionen nach Afrika verdreifacht. Das war das schnellste Wachstum,
das wir auf irgendeinem Kontinent der Welt gesehen haben. Natürlich ist das von
einem niedrigen Niveau aus gestartet - aber dennoch ist das sehr
vielversprechend.“
Nach einem realem Wirtschaftswachstum von sechs
Prozent im vergangenen Jahr erwartet die Deutsche Bank Research auch in diesem
Jahr ein kräftiges Wachstum von 5,5 Prozent für den gesamten Kontinent, wobei
aufstrebende Volkswirtschaften wie Ghana, Nigeria, Tansania oder Mosambik noch
deutlich schneller wachsen. Und das liegt nicht nur am Rohstoffreichtum. „Diese
Direktinvestitionen gehen nicht hauptsächlich in die Rohstoffgewinnung, sondern
auch sehr viel ins verarbeitende Gewerbe oder in den Bankensektor. Sollte der
Rohstoffboom abklingen, haben diese Länder trotzdem gute Wachstumschancen.“
Gerade in die rohstoffreichen Länder wie Nigeria,
Südafrika, Ägypten und Sambia flossen seit 2002 doppelt so viele
Direktinvestitionen in das verarbeitende Gewerbe wie in die Rohstoffgewinnung.
Aber auch in die Finanzmärkte fließt immer mehr Geld. „Der
Liquiditätsüberschuss auf den internationalen Finanzmärkten und Reformschritte
in vielen Ländern lassen die Investoren auf der Suche nach Rendite stärkeres
Augenmerk auf exotische Länder richten“, schreibt die Deutsche Bank Research.
Doch nicht alle Länder des Kontinents spüren den
neuen Boom gleichermaßen, sagt Marion Mühlberger – das stärkste Wachstum
konzentriert sich nach wie vor auf den Norden und den Süden. „Viele Länder sind
immer noch von ausländischer Hilfe abhängig. Länder wie Burundi oder Liberia,
die noch fünfzig Prozent ihres Bruttoinlandsproduktes nur aus ausländischer
Hilfe beziehen. Im Süden dagegen, in Südafrika und Botswana, oder im Westen, in
Nigeria und Angola, da finden sich die Boomländer. Man kann nicht alle Länder
über einen Kamm scheren. Aber ich denke, dass auch regional boomende Länder an
ihre Nachbarn Impulse geben können und dadurch sozusagen eine positive Welle
lostreten.“
Rolf Wenkel
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