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Buchtipp
Sex, Drugs & Economics
Eine nicht alltägliche Einführung in die Wirtschaft
von Diane Coyle
Keine Angst - dieser Buchtipp gilt nicht einem Möchtegern-Kultbuch, wie es vielleicht das Cover suggerieren mag. Eine der üblichen Einführungen in die Volkswirtschaftslehre ist es allerdings auch nicht...
Auf dem Buchcover prangt in knalligen Farben das Marylin Monroe-Portrait von Andy Warhol, und der Titel des Buchs klingt reißerisch: Sex, Drugs and Economics. Aha, könnte man meinen, da versucht wohl wieder jemand, einen mittelmäßigen Stoff mit provokanter Verpackung auf Bestseller zu programmieren, das gabs ja schon öfters. Doch der Campus Verlag in Frankfurt gilt als seriöser Verlag, die Autorin Diane Coyle leitet eine Beraterfirma und ist Professorin an der London School of Economics, und der Untertitel verrät, worum es ihr eigentlich geht: Eine nicht alltägliche Einführung in die Wirtschaft.
Diane Coyle möchte zeigen, dass Ökonomie nicht ein klar umrissenes Wissen über bestimmte finanzielle Themen ist, sondern eine Denkmethode, die sich auf die unterschiedlichsten Bereiche anwenden lässt - also auch auf die Ehe, den Sport, Kriminalität, Drogenhandel, Bildung, Unterhaltung und auch Sex. Für sie ist das ökonomische Denken ein Weg zum Verständnis der menschlichen Natur - vielleicht sogar einer der erhellendsten. Und so lernen wir denn zum Beispiel im Kapitel über die Sexindustrie etwas über Produktdifferenzierung, monopolistische Konkurrenz und die Einkommenselastizität der Nachfrage. Wir lernen, warum Teenager und Männer in der Midlife-Crisis nicht immer der Idealvorstellung des rational handelnden Homo Oeconomicus entsprechen, wir lernen, was Skalenerträge mit Sport und Drogendealer mit Kosten-Nutzen-Analysen zu tun haben.
Um Missverständnissen vorzubeugen: Dieses Buch ersetzt nicht das Studium der Volkswirtschaftslehre, will es auch gar nicht. Aber es ist eine fantastische Werbung dafür, ökonomisch zu denken. Das ist nichts Verwerfliches - im Gegenteil. So manche Regierung wäre besser beraten, in ihre Drogenpolitik ökonomische Denkweisen einfließen zu lassen, und die Musikindustrie hätte ihre Katastrophe mit dem Internet und Tauschbörsen wie Napster nicht erlebt, wenn sie von anfang an ökonomisch gedacht hätte - das sind einige von Diane Coyles Thesen, die sie sehr lebendig ausführt und untermauert.
Mir hat die Lektüre dieses Buchs auch aus einem persönlichen Grund viel Spaß gemacht. Denn ich habe manchmal das Gefühl, wenn ich sage, ich sei Wirtschaftsredakteur, dass ich ein wenig mitleidig angesehen werde, so als könnte ich nur in Kategorien von Umsatz, Gewinn und Prozenten denken, so als sei mein Beruf ungefähr so vielseitig wie der eines Fensterputzers, so als seien die Themen meiner Berichterstattung so eng umrissen wie ein U-Bahn-Tunnel. Dabei ist genau das Gegenteil der Fall: Nichts, auch nicht Kultur, Kunst, Sport und Politik, kann sich ökonomischen Gesetzen entziehen, nichts spielt sich außerhalb der Ökonomie ab. Diane Coyle hat dafür den Beweis geliefert - viel besser, als ich das je zu Papier bringen könnte.
Rolf Wenkel
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